Auf ein Wort:

Liebe Gemeinde,

als kleine Illustration dieses „Auf ein Wort“ habe ich das vergoldete Gipfelkreuz auf der Zugspitze ausgewählt. Ich durfte vor Jahren die Erfahrung machen, mit einem Freund aus Ettal, den höchsten Berg Deutschlands zu besteigen. Das Bild passt gut zu dem, was ich mit Ihnen teilen möchte im Bezug auf die beiden „Gipfelerlebnisse“, die im heutigen Evangelium (Mk 9, 2-10) und in der 1. Lesung (Gen 22, 1-2.9a.10-13.15-18) erzählt werden. Oft ist heute von „Spiritualität“ die Rede. Viele Menschen suchen danach, gerade in unserer rastlosen und unsicheren Zeit. Vielleicht gehören Sie ja auch dazu. Ich jedenfalls zähle mich zu ihnen. Aber was suche ich eigentlich, wenn ich „Spiritualität“ suche? Der Berg der Verklärung Jesu, von dem wir im Evangelium hören, gehört sicher dazu, die Bilder und Worte tun mir gut, ermutigen trösten mich. Einem Gott, der es so gut mit mir und uns meint, wende ich mich gerne zu. Wie gut kann ich den Petrus verstehen, der so einen wunderbaren, quasi „Vergoldeten Augenblick“ dingfest machen möchte und deshalb Hütten bauen will. „Er wusste nämlich nicht, was er sagte… weil er, wie Jakobus und Johannes, noch nicht erfahren hatte, was Kreuzweg und Auferstehung bedeuten. Deshalb verbietet Jesus ihnen vorschnell davon zu erzählen, bis sie diese anderen Erfahrungen auch gemacht haben. Die Verklärung auf dem Berg war sozusagen eine Motivation für die Jünger, in Jesu Spur zu bleiben.

Etwas von diesen anderen Erfahrungen, klingt für mich in der schwer zu ertragenden Erzählung von einem anderen Berg, dem Berg im Lande Morija an, auf dem Abraham seinen einzigen Sohn Isaak, seine und Saras ganze Hoffnung, mitnimmt, um ihn dort Gott zu opfern Eine ungeheuerliche Geschichte, die dann zwar im letzten Augenblick noch zum Guten gewendet wird, und evtl. ist ja gerade diese Wendung der Grund für die dunkle Vorgeschichte, die man uns da zumutet. Auf jeden Fall ist da nichts von der Leichtigkeit auf dem Berg der Verklärung zu spüren. In dem Zusammenhang bemerke ich bei mir: Solange es ums Empfangen geht, mache ich meine Hände gerne auf und halte sie Gott entgegen. Aber darf Gott aus meinen Händen auch wieder nehmen – nehmen, was letztlich nicht mir, sondern ihm gehört? Vielleicht ist es das, was Abraham, und mit ihm ich, noch zu lernen haben. Was Gott mir geschenkt hat, ist nicht mein Besitz, über den ich einfach bestimmen kann. Eugen Drewermann hat einmal gesagt: „Man kann nur das für sich behalten, was man opfert. .. Menschen verliert man, wenn man sie behalten will. Menschen behält man nur, wenn man sie aus den Händen gibt.“ In dieser Haltung verbirgt sich eine tiefe Lebens- und Glaubenserfahrung: Dass gerade das, was ich in die Hände Gottes hineingebe, mir nicht verloren geht, sondern in neuer, ungeahnter, verwandelter Weise wiedergeschenkt wird. Mir scheint, dass diese Weisheit all unsere Beziehungen zu Menschen, zu Gott und zu seiner Schöpfung betrifft – denn nichts fällt uns schwerer, als nicht nur unsere Sorgen und Probleme, sondern uns selbst loszulassen, uns aus unseren eigenen Händen zu geben – hinein in die Hände Gottes. Insofern ist auch diese Erzählung eine notwendige „Gipfelerfahrung“, ein höchst spiritueller Ort, an dem ich lernen kann, freizulassen, freizugeben und frei zu werden. Gott spricht Abraham am Berg Morija schließlich neuen „Segen in Fülle“ zu.

Diesen Segen wünsch ich Ihnen für Ihre eigenen „Bergtouren“ in der Fastenzeit.

Ihr Pastoralreferent Reinhold Leydecker

  • Reinhold Leydecker, Pastoralreferent
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